Der Verlust

Johann Rudolf Zumsteeg

Hört! ich hatt' einmal ein Blümchen,

Und das Blümchen war so schön,

Daß ich glaubte, nun und nimmer

Solch ein liebliches zu sehn.

Feurig liebt' ich auch ein Mädchen,

Weiß, wie Postpapier und fein,

Schöner, dacht' ich, muß kein Mädchen

Rings umher in Deutschland sein.

Wie ihr wißt, so sind es meistens

Aller guten Dinge drei,

Darum führte mir die Freundschaft

Auch noch einen Freund herbei:

Seht: so hatt' ich meine Freude;

Ich beroch das Blümchen viel,

Trieb euch bald mit meinem Mädchen,

Bald mit meinem Freunde Spiel.

Aber Spiel und Freuden schwanden,

Trüb und düster ward mein Sinn:

Denn mein Mädchen nahm die Blumen

Und mein Freund mein Mädchen hin.