Die Verschwiegenheit

Johann Rudolf Zumsteeg

Sobald Damötas Chloen sieht,

Wird er auf einmal so gesellig;

Er thut so schmeichelnd, so gefällig,

Und all sein Stolz entflieht.

Sie scheint durch ein geheim Behagen

Genau dies Rätsel zu verstehn,

Und er ist jung, und sie ist schön:

Ich, ich will nichts weiter sagen.

An ihrem blauen Busenband

Bleibt oft sein loses Auge hangen,

Er drückt mit schmachtendem Verlangen

Oft feurig ihre Hand.

Das Aug' auf ihre Brust geschlagen,

Scheint sie beschämt, ihn anzusehn,

Und er ist jung, und sie ist schön:

Ich will nichts weiter sagen.

Erblickt er schlafend sie am Bach,

So schleicht er hin mit leisen Füßen,

Sie aus dem Schlummer aufzuküssen:

Doch Chloe wird nicht wach.

Sie scheint sein zärtliches Betragen

Nur listiger zu hintergehn,

Und er ist jung, und sie ist schön:

Ich will nichts weiter sagen.

Sie gehn oft heimlich in den Hain;

Er hält den Arm um sie geschlungen,

Und in der Büsche Dämmerungen

Sind sie oft ganz allein.

Sie scheint mit ihm in schwülen Tagen

Bloß zur Erkühlung hinzugehn,

Und er ist jung, und sie ist schön:

Ich will nichts weiter sagen.