Gesang

Johann Rudolf Zumsteeg

O! seht uns arme Kinder ziehn

Weit über Berg und Tal;

Wir ziehn und wissen nicht wohin,

Vierhundert an der Zahl.

Der Vater liegt im Schlachtfeld tod;

In Asche liegt das Haus;

Die Mutter weint, und hat kein Brod:

Drum wanderten wir aus.

Ihr beizustehn ist unser Arm, ist unser Arm,

Ihr seht's, noch allzuschwach;

Sonst wäre sie, daß Gott erbarm!

Nicht ohne Brod und Dach.

Seht, gute Leute, seht und hört

Uns arme Waisen an!

Wenn Mitleid uns nicht schüzt und nährt,

So ist's um uns getan.

Uns bebt vor Frost das Herz im Leib!

Uns lähmt der Hunger schier.

Was taten wir Euch, Kind und Weib,

Ihr bösen Männer, Ihr! -

Wer sichert uns vor ihrem Schwerdt,

Von Menschenblute rot?

Wer nimmt uns auf an seinen Heerd?

Wer giebt uns Dach und Brot?

Ach, seid auch ihr so hart, wie Stein;

So komm, o Hungertod!

So höre du der Waisen Schrei'n

Und ende unsre Not!

So steigen wir zu Gott empor

Nach überstandner Quaal!

Und nah'n ihm in vereintem Chor,

Vierhundert an der Zahl;

Und klagen ihm, denn er ist gut

Bei aller seiner Macht,

Wie unversöhnte Kriegeswut

Zu Waisen uns gemacht.

An den Mond?

Du blickst herab und scheinst zu fragen,

Was mich so quält;

Doch lange hab' ich meine Klagen

Dir vorerzählt,

Denn ach, bei deinem blassen Scheine

Floh er von mir,

Und lies auf immer mich alleine,

Drum wein' ich hier.

Hast du von deinen stillen Höhen

Hast du vielleicht

O lieber Mond! Der Mann gesehen

Dem keiner gleicht;

Hast du die braune volle Wange

Den Blick so schön,

So gut, so sanft, und in dem Gange

Den Stolz gesehn?

So strich, gieng er in sich versunken

Bewölkt den Blick,

Dacht er, von süßem Wahne trunken,

An mich zurück?

Wie oder malt im sanften Schimmer

Der um ihn glüht

Sich ihm ein Mädchen das auf immer

Ihn mir entzieht?

Doch eh, eh rief auf seinen Hügel

Den blassen Strahl,

Dann führten mich der Liebe Flügel

Hin an sein Maal.

Dann laß ich jammervollen Zähren,

Den freien Lauf.

Und bald, bald nehmen beßre Sphären

Zu ihm mich auf.