Nadowessische Totenklage

Johann Rudolf Zumsteeg

Seht! da sitzt er auf der Matte

Aufrecht sitzt er da,

Mit dem Anstand den er hatte,

Als er's Licht noch sah.

Doch wo ist die Kraft der Fäuste,

Wo des Atems Hauch,

Der noch jüngst zum großen Geiste

Blies der Pfeife Rauch?

Wo die Augen, Falkenhelle,

Die des Renntiers Spur

Zählten auf des Grases Welle,

Auf dem Tau der Flur.

Diese Schenkel, die behender

Flohen durch den Schnee,

Als der Hirsch, der Zwangzigender,

Als des Berges Reh.

Diese Arme, die den Bogen

Spannten, streng und straff!

Seht, das Leben ist entflogen,

Seht, sie hängen schlaff!

Wohl ihm! er ist hingegangen,

Wo kein Schnee mehr ist,

Wo mit Mays die Felder prangen

Der von selber sprießt.

Wo mit Vögeln alle Sträuche,

Wo der Wald mit Wild,

Wo mit Fischen alle Teiche

Lustig sind gefüllt.

Mit den Geistern speißt er droben,

Ließ uns hier allein,

Daß wir seine Taten loben,

Und ihn scharren ein.

Bringet her die letzten Gaben,

Stimmt die Totenklag'!

Alles sei mit ihm begraben,

Was ihn freuen mag.

Legt ihm unters Haupt die Beile

Die er tapfer schwang,

Auch des Bären fette Keule,

Denn der Weg ist lang.

Auch das Messer scharf geschliffen,

Das vom Feindeskopf

Rasch mit drei geschikten Griffen

Schälte Haut und Schopf.

Farben auch, den Leib zu mahlen

Steckt ihm in die Hand,

Daß er rötlich möge strahlen

In der Seelen Land.