Vom Tode

Johann Rudolf Zumsteeg

Alles was mich hier umringt,

Sagt mir, daß ich sterben werde.

Alles was hier blüht, das sinkt

Wieder in den Schoos der Erde.

Blumen, die am Morgen blühn,

Welken schon am Abend hin.

Warum sollt ich traurig sein,

Wenn die Sterbeglocken hallen?

Warum voller Sorg und Pein

Meinem Grab entgegen wallen?

O da schlumm'r ich sanft und süß,

In des Grabes Finsterniss.

Unser Leben ohne Tod,

Ist ein leerer Traum hienieden.

Wirklichkeiten hat uns Gott,

Wenn wir sterben, erst beschieden.

Dort, wo tausend Sonnen glühn,

Leiht der Tod uns Flügel hin.

Niedrig klebet unser Geist

An der Welt und ihren Freuden.

Nur der Tod, der Tod zerreißt

Dieses Lebens Dunkelheiten,

Und führt uns durch Mitternacht,

Wo ein ew'ger Morgen lacht.

Zwischen Hoffnung, Angst und Leid

Schwankt auf ungewissem Meere

Unsre ganze Seligkeit,

Wenn kein Grab auf Erden wäre.

Ach im Tode schließt die Ruh

Die betränten Augen zu.

Unermesslich ist die Bahn

Zwar zu Gottes Thron vom Staube.

Was kein Mensch erreichen kann,

Das erreicht des Christen Glaube.

Er, der starb und auferstand,

Hat den Weg dahin gebahnt.

Mit ihm werd ich auferstehn,

Bin ich nur mit ihm gestorben.

Palmen werden mir dort wehn,

Die mir Jesus Christ erworben.

Komm, o Tod, ich harre dein!

Warum sollt ich traurig sein?