Zuruf an Jünglinge

Johann Rudolf Zumsteeg

Was steht ihr am Wege

So müßig und träge

Zu Arbeit und Müh?

Wer immer nur sinnet,

Und immer beginnet,

Der endet auch nie.

Drum weg mit dem Zaudern,

Drum weg mit dem Plaudern

Von Tugendgefühl!

Nicht blos mit Empfinden,

Mit Handeln nur finden

Wir endlich das Ziel.

Schön ist es, zu lehren

Die Tugend zu ehren,

Das Laster zu fliehn,

Doch schöner, wenn Saaten

Bald reifender Taten

Den Wandrer umblühn;

Wenn Wonne mit Segen

Auf dornigen Wegen

Die Reis' ihm verkürzt,

Und Tugend, im Kleide

Der Unschuld, die Freude

Gedoppelt ihm würzt.

Doch soll sie, wir schwören!

Sie ewig zu ehren

Mit Taten und Sinn!

Sie fest zu umfassen,

Und nimmer zu lassen

Um keinen Gewinn!

Vollendete blicken

Herab mit Entzücken

Auf unsern Entschluß,

Zu größeren Werken

Die Seele zu stärken

Durch himmlischen Kuß.

Auf! Hände in Hände!

Wir wallen behende,

Und enden den Lauf!

Dann nehmen die Schatten

Des Himmels die matten

Vollendeten auf.