Die zwei Gesellen

Johann Vesque von Püttlingen

Es zogen zwei rüst'ge Gesellen

Zum erstenmal von Haus,

So jubelnd recht in die hellen,

Klingenden, singenden Wellen

Des vollen Frühlings hinaus.

Die strebten nach hohen Dingen,

Die wollten, trotz Lust und Schmerz,

Was Recht's in der Welt vollbringen,

Und wem sie vorübergingen,

Dem lachten Sinnen und Herz. --

Der Erste, der fand ein Liebchen,

Die Schwieger kauft' Hof und Haus;

Der wiegte gar bald ein Bübchen,

Und sah aus heimlichen Stübchen

Behaglich in's Feld hinaus.

Dem Zweiten sangen und logen

Die tausend Stimmen im Grund,

Verlockend' Sirenen, und zogen

Ihn in [der buhlenden Wogen

Farbig klingenden Schlund].

Und wie er auftaucht vom Schlunde

Da war er müde und alt,

Sein Schifflein das lag im Grunde,

So still war's rings in die Runde

Und über die Wasser weht's kalt.

Es singen und klingen die Wellen

Des Frühlings wohl über mir;

Und seh' ich so kecke Gesellen,

Die Tränen im Auge mir schwellen -

Ach, Gott, führ' uns liebreich zu Dir!