Die Laube
Johann Wenzeslaus Kalliwoda
Nimmer werd' ich, nimmer dein vergessen,
Kühle, grüne Dunkelheit,
Wo mein liebes Mädchen oft gesessen,
Und des Frühlings sich gefreut!
Schauer wird durch meine Nerven beben,
Werd' ich deine Blüthen sehn,
Und ihr Bildniß mir entgegen schweben,
Ihre Gottheit mich umwehn!
Thränenvoll werd' ich, beym Mondenlichte,
In der Geisterstunde Graun,
Dir entgegenzittern, und Gesichte
Auf Gesichte werd' ich schaun;
Mich in manchen Göttertraum verirren,
Bis Entzückung mich durchbebt,
Und nach meinem süßen Täubchen girren,
Dessen Abbild vor mir schwebt!
Wenn ich auf der Bahn der Tugend wanke,
Weltvergnügen mich bestrickt;
Dann durchglühe mich der Feurgedanke,
Was in dir ich einst erblickt!
Und, als strömt' aus Gottes offnem Himmel
Tugendkraft auf mich herab,
Werd' ich fliehen, und vom Erdgewimmel
Fernen meinen Pilgerstab!