Die Klagen des armen Fischers
Johann Xaver Sterkel
Des Abends Nebelhülle
Umschleiert Schilf und Wellen,
Im Abendwinde schwellen
Die Segel auf der See.
Was stört oft Nacht und Stille?
Was thut dem Herzen weh?
Ein L, ein I, ein E, ein B, ein E.
Der Sturmwind war entflogen,
Da stand, gleich schönen Träumen,
Ein Mädchen zwischen Bäumen,
Umwogt von Gras und Klee.
Was hebt die Brust wie Wogen?
Was thut bald wohl, bald weh?
Ein L, ein I, ein E, ein B, ein E.
[Der Locken goldner Regen,
Umfloss der Wangen Blüthe,
Auf ihrer Stirne glühte ]
Das Morgenroth im Schnee.
Was thut in heissen Schlägen
Dem Herzen wohl und weh?
Ein L, ein I, ein E, ein B, ein E.
Ich hing an ihren Blicken
Wie Bienen an den Blüthen,
Und ihre Augen glühten
Gleich Sternen in der See.
Was gibt uns dies Entzücken
Und thut uns doch so weh?
Ein L, ein I, ein E, ein B, ein E.
Da sah ich fremde Lippen,
Die fest auf ihren ruhten,
Wild schlug ich in die Fluthen
Und rudert' in die See.
Was sucht' ich zwischen Klippen?
Was thut so brennend weh?
Ein L, ein I, ein E, ein B, ein E.
Wo dunkle Tiefen gähnen
Sich über mir zu schliessen,
Da wird mir wohl, da fliessen
Die Thränen in die See.
Was gibt dem Auge Thränen?
Was thut dem Herzen weh?
Ein L, ein I, ein E, ein B, ein E.