Klage der Schäferin
Johann Xaver Sterkel
Tief unten im einsamen Thale
Da trauert mein schmachtender Blick;
Da ruf' ich der schöneren Tage
Verlohrene Freuden zurück.
Und schaue hinan zu dem Hügel,
Vom Hauche des Abends so mild --
Ein heiliges inniges Sehnen
Mir ahnend den Busen erfüllt.
Es tönt mir im Wehen des Windes
Des Liebenden Klage nicht mehr --
Nicht weidet die irrende Heerde
Am Hange des Hügels daher.
Und einsam, still und verlassen,
Ach! denk' ich der holden Gestalt;
Es schweigen die Saiten der Harfe,
Ihr zärtliches Flüstern verhallt.
Ein Kranz von stillen Zypressen
Die dunklen Locken mir schmückt --
Ach, alles muß ich vergessen,
Was einst mein Herz beglückt.
Denn weit in die Ferne gegangen,
Da wandelt sein irrender Fuß,
Da reicht nicht hin mein Verlangen,
Er hört nicht der Liebenden Gruß.
Vergebens auf flüchtiger Welle
Zu ihm mein Sehnen flieht! --
Lebt wohl, ihr Fluren und Thäler,
Von dannen die Schäferin zieht!