Mailied
Johann Xaver Sterkel
Schön im Feierschmucke lächelt,
Hold und bräutlich, die Natur;
Blumen wehn, vom West gefächelt,
Gelb und roth auf grüner Flur;
Um die kleinen Nester hüpfend,
Singt der Vögel Chor im Hain;
Und der kalten Tief' entschlüpfend,
Spielt der Fisch im Sonnenschein.
Blau und golden schwebt der Äther
Im bebüschten Gartenteich;
Bäume, weißer hier, dort röther,
Spiegeln ihren Blüthenzweig.
Durch die Blüthen, durch das grüne
Blumenthal, vom Sonnenschein
Überstrahlet, summt die Biene,
Sammelt süßen Nektar ein.
Heller blühn der liebe Rosen
Um der Mund der Schäferin;
Schäferin und Schäfer kosen
Manche goldne Stunden hin.
Sitzend unter grünen Bäumen,
Hören sie den Wasserfall
Über glatte Kiesel schäumen,
Und Gesang der Nachtigall.
Traute Scherz' und Küsse flüstern
Durch das Thal, und auf den Höhn,
Wo die Liebende in düstern
Buchenlabyrinten gehn.
Küsse flüstern aus den Lauben
Um die Abenddämmerung;
Küsse geben, Küsse rauben,
ist der Welt Beschäftigung.