Lust und Qual

Johanna Kinkel

Knabe saß ich, Fischerknabe,

Auf dem schwarzen Fels im Meer,

Und, bereitend falsche Gabe,

Sang ich lauschend rings umher.

Angel schwebte lockend nieder;

Gleich ein Fischlein streift und schnappt,

Schadenfrohe Schelmenlieder

Und das Fischlein war ertappt.

Ach! am Ufer, durch die Fluren,

Ins Geklüfte tief zum Hain,

Folgt' ich einer Sohle Spuren,

Und die Hirtin war allein.

Blicke sinken, Worte stocken! -

Wie ein Taschenmesser schnappt

Faßte sie mich in die Locken

Und das Bübchen war ertappt.

Weiß doch Gott mit welchem Hirten

Sie aufs neue sich ergeht!

Muß ich in das Meer mich gürten,

Wie es sauset, wie es weht.

Wenn mich oft im Netze jammert

Das Gewimmel groß und klein,

Immer möcht' ich noch umklammert

Noch von ihrer Armen sein!