Wiegenlied
Johanna Kinkel
O du hast es gar zu gut, lieb Herzenskind,
Drum gib dich zufrieden und schlafe geschwind.
Schlaf, schlaf, schlaf, schlaf.
Wie bist du so glücklich,
Wie bist du so reich,
Der Vater, die Mutter tun alles
Dir nach deinem Sinn;
Liegst warm in dem Bettchen
Von Flaume so weich,
Kriegst köstliches Süppchen
Mit zuckersüßem Zucker drin.
Eia, ei, weint das Kind, eia, ei.
O du hast es gar zu gut, lieb Herzenskind,
Da draußen da heulet
Der eiskalte Wind,
Er weinet und bläst durch Berlin,
Die große, große Stadt;
Der Sturmwind ist neidisch
Auf dich, mein lieb Kind,
Weil er nicht wie du
Ein warm Flaumenfederbettchen hat.
Susu, su, bläst der Wind, susu su.
O du hast es gar zu gut, lieb Herzenskind,
Da draußen da ziehet
Den Schlitten das Pferd,
Es läuten die Schellen,
Das Pferdchen aber ist betrübt;
Mit Schnauben und Wiehern
Es laut sich beschwert,
Daß niemand ihm Zucker
Und delikates Süppchen gibt.
Klingi, ling, schellt das Pferd, klingi, ling.
O du hast es gar zu gut, lieb Herzenskind,
Da draußen da stehn
Musikanten im Schnee,
Die Frau singt ein Liedchen,
Die Fiedel spielt der Mann dazu;
Ob ihnen der Hals
Und die Finger tun weh,
Doch müssen sie singen
Und fiedeln ohne Rast und Ruh.
Lala la, singt die Frau,
Vidividi bum, spielt der Mann, vidividi bum.
O du hast es gar zu gut, lieb Herzenskind,