Gute Nacht

John Böie

Schon fängt es an zu dämmern,

Der Mond als Hirt erwacht,

Und singt den Wolkenlämmern

Ein Lied zur guten Nacht;

Und wie er singt so leise,

Da dringt vom Sternenkreise

Der Schall ins Ohr mir sacht,

Schlafet in Ruh, schlafet in Ruh!

Vorüber der Tag und sein Schall,

Die Liebe Gottes deckt euch zu

Allüberall.

Nun suchen in den Zweigen

Ihr Nest die Vögelein,

Die Halm' und Blumen neigen

Das Haupt im Mondenschein,

Und selbst des Mühlrads Wellen

Lassen das wilde Schwellen

Und schlummern murmelnd ein.

Schlafet in Ruh, schlafet in Ruh!

Vorüber der Tag und sein Schall;

Die Liebe Gottes deckt euch zu

Allüberall.

Von Thür zu Thüre wallet

Der Traum, ein lieber Gast,

Das Harfenspiel verhallet

Im schimmernden Pallast;

Im Nachen schläft der Ferge,

Die Hirten auf dem Berge

Halten um's Feuer Rast.

Schlafet in Ruh, schlafet in Ruh!

Vorüber der Tag und sein Schall;

Die Liebe Gottes deckt euch zu

Allüberall.

Und wie nun alle Kerzen

Verlöschen durch die Nacht,

Da schweigen auch die Schmerzen,

Die Sonn' und Tag gebracht;

Lind säuseln die Cypressen,

Ein seliges Vergessen

Durchweht die Lüfte sacht.

[Schlafet in Ruh, schlafet in Ruh!

Vorüber der Tag und sein Schall;

Die Liebe Gottes deckt euch zu

Allüberall.]

Und wo von heißen Thränen

Ein schmachtend Auge blüht,

Und wo in bangem Sehnen

Ein liebend Herz verglüht,

Der Traum kommt leis und linde

Und singt dem kranken Kinde

Ein tröstend Hoffnungslied.

Schlafet in Ruh, schlafet in Ruh!

Vorüber der Tag und sein Schall;

Die Liebe Gottes deckt euch zu

Allüberall.

Gute Nacht denn, all' ihr Müden,

Ihr Lieben nah' und fern!

Nun ruh' auch ich in Frieden

Bis glänzt der Morgenstern.

Die Nachtigall alleine

Singt noch im Mondenscheine

Und lobet Gott den Herrn.

[Schlafet in Ruh, schlafet in Ruh!

Vorüber der Tag und sein Schall;

Die Liebe Gottes deckt euch zu

Allüberall.]