Des Wanderburschen Abschied

Joseph (Gabriel) Rheinberger

Auf luft'ger Höh' alleine

Ein Wanderbursche steht,

Wie g'rad' im Abendscheine

Die Sonne niedergeht.

Am Fuße vom Gebirge

Erglänzen Stadt und Au',

Den Hahn auf jeder Kirche

Meint er zu seh'n genau.

Und dort die Pappelbäume

Am Weg nach Dorf und Mühl',

Da kommen ihm der Träume

Der bitter'n Thränen viel.

Lang steht er hingewendet

Der stumme Wanderknab',

Eh' noch sein Traum geendet

Klingt's hell vom Berg herab.

Sein munt'res Liedchen schicket

Der Postillon in's Thal,

Wenn er die Stadt erblicket,

So bläst er's jedesmal.

Den gelben Wagen rüttelt

Das Schimmelpaar daher,

Ein Köpfchen drin sich schüttelt,

Als ob's verschlafen wär'.

Da reißt er sich behende

Ein Röslein von dem Hut,

Grad in der Jungfrau Hände

Wirft er's mit keckem Muth:

"Grüß mir, o schönes Mädchen,

Die Mägdlein alle dort,

Grüß mir das ganze Städtchen

Von Haus zu Hause fort!"