Letzter Wunsch
Joseph (Gabriel) Rheinberger
Mein Schatz will Hochzeit halten,
Ich liege auf den Tod
Und nehme mit zu Grabe,
Was ich in Schmerz und Noth
Um ihn gelitten habe.
An meinem Fenster blühen
Gelbveigel und Rosmarin;
Wenn ich von Lieb und Jammer
Hinweggeschieden bin,
Tragt still sie aus der Kammer!
Zwei Sträußlein sollt ihr binden,
Eins heftet mir an's Kleid,
Eins sendet meinem Knaben;
Es ist für alle Zeit
Die letzte meiner Gaben.
O dürft' ich ungesehen
Dem frohen Paare nah'n,
Und, wenn die Glocken läuten,
Ihn segnend noch umfah'n, --
Und treten still beiseiten.