Die Henne

Joseph Martin Kraus

Es war einmal eine Henne fein,

Die legte fleißig Eier;

Und pflegte denn ganz ungemein

Wenn sie ein Ei gelegt zu schrein,

Als wär' im Hause Feuer.

Ein alter Truthahn in dem Stall,

Der Fait vom Denken machte,

Ward bös darob, und Knall und Fall

Trat er zur Henn' und sagte:

"Das Schrein, Frau Nachbarin, war eben nicht vonnöten;

Und weil es doch zum Ei nichts tut,

So legt das Ei, und damit gut!

Hört, seid darum gebeten!

Ihr wisset nicht, wie's durch den Kopf mit geht."

"Hm!" sprach die Nachbarin, und tät

Mit einem Fuß vortreten,

"Ihr wißt wohl schön, was heuer

Die Mode mit sich bringt,

Ihr ungezognes Vieh!

Erst leg ich meine Eier,

Dann

rezensier

ich sie."