Fee'n-Reigen
Josephine Lang
Die silbernen Glöckchen
Der Blume des Mays,
Sie läuten zum Reihn.
Herbey in den Kreis,
Ihr schwärmenden Feyn!
Auf! purpurne Flöckchen
Und weiße zu streun!
Wo Mondschein die duftige
Primel umbebt.
Da werde der luftige
Reigen gewebt.
O Lust, sonder gleichen,
Zum Ringe verschränkt,
Bis Luna den Höhn
Die Drachen entlenkt,
Sich nach dem Getön
Von Ariels weichen
Accorden zu drehn!
Sey manches entzückender!
Freundlich und mild
Hat uns ein beglückender
Wahn es verhüllt.
Die Menschen, gleich Blättern,
Verschwinden sie früh;
In angstvoller Hast
Erbaun sie mit Müh
Den Wolkenpallast;
Im Räumchen von Brettern
Da finden sie Rast.
Wir lachen der grämlichen
Runzeln der Zeit,
Und bleiben die nähmlichen
Morgen wie heut!
Wir herrschen in Reichen,
Wo nimmer dein Born,
O Jugend, versiegt.
Die Ros' ohne Dorn
Am Pfade sich wiegt,
Und ewig kein Zeichen
Im Sternenbuch trügt.
Wo Mondschein die duftige
Primel umbebt,
Da werde der luftige
Reigen gewebt.