Schöne Wiege meiner Leiden

Julius Schladebach

Schöne Wiege meiner Leiden,

schönes Grabmal meiner Ruh',

schöne Stadt, wir müssen scheiden, -

Lebe wohl! ruf' ich dir zu.

Lebe wohl, du heil'ge Schwelle,

wo da wandelt Liebchen traut;

lebe wohl! du heil'ge Stelle,

wo ich sie zuerst geschaut.

Hätt' ich dich doch nie gesehen,

schöne Herzenskönigin!

Nimmer wär' es dann geschehen,

daß ich jetzt so elend bin.

Nie wollt' ich dein Herze rühren,

Liebe hab' ich nie erfleht;

nur ein stilles Leben führen

wollt' ich, wo dein Odem weht.

Doch du drängst mich selbst von hinnen,

bittre Worte spricht dein Mund;

Wahnsinn wühlt in meinen Sinnen,

und mein Herz ist krank und wund.

Und die Glieder matt und träge

schlepp' ich fort am Wanderstab,

bis mein müdes Haupt ich lege

ferne in ein kühles Grab.