Der Gebirgssohn

K. Bischoff

Ein Jäger bin ich flink und frisch,

Die Berge sind mein Haus;

Die grüne Alpe ist mein Tisch

Mit manchem duft'gen Strauß.

Der Gemse folg' ich manchen Tag,

Hab' oft bei Nacht nicht Rast;

Und, wie ich auch mich plagen mag,

So ist mir's keine Last.

Im Thale drunten wird mir weh,

Vom Herzen fehlt ein Stück;

Und, wenn ich dort die Liebste seh',

Ist's nur ein halbes Glück.

Da brennt mein Rohr mir in der Hand,

Da glüht mir das Gesicht;

Hab', eh' ich's weiß, den Hahn gespannt,

Kann ruhig sitzen nicht.

Und, soll ich athmen, muß ich gehn

Bergwärts zurück geschwind

Und von der Steilwand niedersehn,

Umbraust vom Morgenwind.

Dann seh' ich mir die Gipfel an,

Und merk' mir Weg und Steg,

Wo man herunterschießen kann,

Kommt einst der Feind den Weg.

Und, denk' ich dran, da glüht mein Herz,

Erwarten kann ich's kaum;

Und andre Lust und andrer Schmerz

Erscheint mir wie ein Traum.