Der Wettstreit der Getränke. Faschingsscherz
K. Deigendesch
Erste Scene
Traube
Das ist ein Wein, wie er seit Jahren
Nicht besser aus einem Fasse rann,
Wie Gold wird Jeder ihn aufbewahren,
Der seine Güte recht schätzen kann,
Doch leider werden die ächten Kenner
So selten jetzt wie der gute Wein,
Man möchte lieber ein Branntweinbrenner
Als Besitzer eines Weinbergs sein.
Der Hopfen verdrängt die edle Rebe
Bald überall in der ganzen Welt,
Am Ende wird noch die Jungfer Hebe
Als Münchner Kellnerin angestellt.
Bräuhäufer gibst an allen Enden,
Die halbe Erde trinkt bayerisch Bier,
Und zu den Menschenfressern senden
Die Bräuer schon ihre Fasser schier.
Ja, selbst an unserm gesegneten Rheine,
Wo Ritter und Knecht aus Humpen trank
Vom edelsten der deutschen Weine,
Sitzt alle Welt auf der Bierhausbank!
Zweite Scene
Malzhuber
Beim heil'gen Natzi, du hast's troffen
Das ist's auch, was mich lang schon freut,
Dem Bier steht alle Welt jetzt offen
Das heißt, die Leut'l'n werden gscheidt; --
Der Wein ist oft der Reichen z'theuer,
D'rum macht bei mancher Excellenz --
Und wenn er noch so gut ist heuer --
Das Bier ihm siegreich Konkurrenz.
Traube
Wie? Dein Gebräu von Malz und Hopfen
Stellst Du an's edle Rebenblut?
Wem geben deine bittren Tropfen
Begeisterung und hohen Muth?
Wo ward je ein Poet geboren,
Dem Bier der Dichtung Schwingen lieh?
Malzhuber
Nein, damit laß mich ungeschoren,
Sprichst du von deutscher Poesie;
Die ist gar oft schon einem Glase
Voll dünnen Bier's, mein Freund, entstammt,
Wenn nicht die himmlische Extase
Ein Gläschen Kümmel gar entflammt;
Zum Weine reichts in deutschem Lande
Für einen deutschen Dichter nicht,
Wenn nicht ein seltnes Glück die Bande
Des armen Musenjüngers bricht.
Traube
Wer spottet, der wird noch nichts beweisen,
So spricht nur frevelnder Übermuth;
Weil den Wein die Dichter ehren und preisen
So schmähst du sie in ohnmächt'ger Wuth.
Der Wein ist das edelste aller Getränke,
Das lehrt die Geschichte seit alter Zeit,
Laß ab von deinem eitlen Gezänke,
Zu dem dich nur reizt der hämische Neid.
Malzhuber
Was brauchts den Neid -- von einem König
Stammt mein Getrank, das edle Bier,
D'rum macht es sich Alles unterthänig
Und bietet mit Freuden den Wettkampf dir!
continues with prose passages
Dritte Scene
no singable verses, all prose
Vierte Scene
William
Dieses Gentlemen wollen nix lassen gelten der Thee
als das erste und beste Getränk der Welt.
Was sagen dazu dein Prophet, weiser Moslem?
Abdallah
Thee ist wie die weiße Rose von Caschmir,
aber
Mocca
ist die Himmelsblume, die da blüht
über dem Grabe des Propheten an der heilige Stätte,
wo einst sein Fuß gewandelt.
William
Goddam
, was reißen du auf das Maul
so weit mit deinem schwarzen Gesöff,
das nix mag trinken ein Mensch auf das Continent?
Ick versorgen allein mehr Länder mit Kaffee
aus meine Plantagen in Ost- und Westindien
als dein ganzes Arabien.
Abdallah
Wer nie die Wonne des himmlischen
Mocca
geschlürft,
der lasse seinen Mund schweigen
von den Freuden des Paradieses.
Fünfte Scene
Seekapitän Lemoni
Der Punsch ist das edelste aller Getränke!
Wenn der Nordwind pfeift und die Möve krächzt
Und im Sturme die Wolken jagen,
Nach dem Feuertrank meine Seele lechzt,
Und ich leere das Glas voll Behagen.
Was kümmert's mich, wenn die Planke ächzt
Und die Wellen dagegen schlagen --
Durch die Gurgel fließt ja die heiße Fluth
Und in Flammen setzt sie des Seemanns-Blut.
Sechste Scene
following more prose
Pinke
Männeken, machen Sie sich nich lächerlich.
Haben wir nich Friede jemacht mit einander, sind wir nicht
zu Schutz und Trutz verbunden und zollvereinlich affocirt?
He, He?
Lassen Sie uns die Friedensfeife mit einander rauchen
und jenießen Sie eenen Bittern mit mir.
Schnaps, Schnaps, Schnaps,
Du edeles Getränke
Dich preise ich, du edler Saft,
So oft ich dein gedenke!
Siebente Scene
Neptun, der Wassergott
Ha! Welche Töne klingen mir an's Ohr!
Der größte Feind, den ich auf trocknem Land,
Das meinem Dreizack nicht gehorcht, besitze
Bist du! Entferne dich aus meiner Nähe!
Die ärgste Schmach, die meinem Element
Der Mensch bereitet -- ist dein Ideal!
Gebranntes Wasser nur löscht deinen Durst,
Die Flamme, die ich hasse, ist dein Gott!
Verschwinde! oder aller Quellen Naß,
Das aus der Erde tiefstem Innern dringt,
Soll fortan nur durch deine Gurgel rinnen!
Two characters mutter to each other in prose
and leave the stage, arm in arm.
Neptun
Zu meinem Ohr ist das Gerücht gedrungen
Von eurem Streit, ein Jeder dünkt sich mehr
In seinem Sinn zu gelten als der and're.
Es streiten Wein und Bier, Kaffee und Thee
Sich um den Vorrang, -- jedes der Getränke
Behauptet, daß es herrsche in der Welt. --
Wie thöricht doch erscheint mir diesen Wahn! --
Was seid ihr Alle, ohne meinen Beistand?
Ich bin der Herrscher, der gewaltige
Im weiten Reich der irdischen Getränke
Nicht ohne mich vermögt ihr zu besteh'n!
Traube
Eure Hoheit entschuldigen -- ich dächte doch,
Der Wein brauche die Hülfe des Wassers nicht. --
Neptun
Er braucht sie nicht, allein er sucht sie doch!
Ein tausendstimmig Zeugniß gibt die Menschheit
Mir gern dafür, daß ihr die edle Gabe
Der Götter fälscht mit meinem Element!
Abdallah
Stern Sakkra! Freund Träuble, ich glaub er hat Recht,
Wenn Ihrs nicht thut, gibt's genug andere,
Die ohne Gott Neptunius nicht bestehen können.
Neptun
Du bist in gleichem Fall! Schon von der Wiege
Ist dein Gebräu dem Element vermählt,
Das ich beherrsche, und selbst in der Reise
Schwächst du es ab aus meinem kühlen Born!
Malzhuber
Sel ist nit wahr! Das thun nur die Malefizsakkra,
Die Bierzapfler, a tüchtiger Bierbrauer g'wiß nit.
Aber was wahr, is, is wahr.
Ohne Wasser könnt mer halt nix macha.
Neptun
Ihr Andern schweigt, -- im richtigen Gefühl
Der Wahrheit, die aus meinen Worten spricht.
Das Element des Wassers ist die Kraft,
Die euch beherrscht, und ohne seine Macht
Seid ihr ein Nichts, ein wesenloses Ding!
Der Durst ist meinem Scepter unterthan --
Ihr löscht ihn nicht, so viel ihr's euch auch rühmt,
Ihr zeugt ihn erst und laßt ihn mächtig wachsen,
Das Wasser nur allein ist's, das ihn stillt.
Doch nicht vergebens sollt um euer Recht
In bitterm Wortgezänk gekämpft ihr haben,
Ich schlichte euren Zwist, -- ein Jeder hat
Für sich ein Anrecht auf die Gunst der Menschen.
So sei auch Jedem nun ein Theil der Zeit,
Die eines Tages Stunden je umschließt
Für seine Herrschaft redlich zuerkannt:
Dem Wein gehört des Tages heitre Mitte,
Dem Bier der Abend nach gewohnter Sitte,
Und mit ihm theilt der Thee das Regiment,
In jener Welt, die sich die
noble
nennt;
Dem Kaffee sei, der edle Moccabohne
Der Morgen zugetheilt, des Tages Krone,
Und nach des Mittags gütlichem Behagen
Sei er bestimmt zu stärken unsern Magen.
Nun aber laßt die Freude walten,
Sie will nur Frohe um sich seh'n,
Und unter ihres Scepters Schalten
Wird jedes Leides Spur verweh'n.
zu den vier Getränken
Hier sind die Stützen eures Reiches:
Aus Frankreich und vom Ungarland,
Aus Spaniens und Siciliens Bergen,
Vom Main und Miesbach stramme Burschen
Und schmucker Kellnerinnen Schaar,
Dort von der Isar grünen Höhen;
Aus Holland und aus Schottland gar,
Selbst aus Arabien und China,
Aus Rußlands Steppen kommen sie
Zum Dienst der Freude hergezogen
In niegeahnter Harmonie.
Wo so die Völker sich umschließen
Da bricht die Zeit, die gold'ne, an,
Da muß der Eintracht Blume sprießen
Und schwinden jeder finst're Wahn:
Ringt Alle nach der Freude Kranze,
Sie ruft euch rasch herbei zum Tanze.
(Der Vorhang fällt.)