Aufgeblüht

K. Eckert

Im dunklen Waldesschoße

Träumt still am Dornenstrauch

Im Knospenkelch die Rose

Vom milden Frühlingshauch.

Ich weiß nicht, wer es leise

Der Nachtigall verriet,

Daß sie des Liedes Kreise

Nachts um die Rose zieht.

Sie singt von Quellenrauschen,

Vom blauen Waldesduft,

Wo Blumen Küsse tauschen

In lauer Lenzesluft.

Die Rose hört's mit Beben

In ihrem stillen Traum;

Es birgt ihr Blütenleben

Die enge Knospe kaum.

Sie ringt und bebt und glühet,

Und wie der Tag erwacht,

Da ist sie aufgeblühet

In wunderbarer Pracht.

Von süßen Schauern trunken

Lauscht sie des Liedes Schall;

Doch in den Reiz versunken

Schweigt nun die Nachtigall.