Meine Jean

K. Eckert

Vor allen Winden in der Welt

Lieb' ich den Abendwind;

Dort wohnt, die mir so theuer ist,

Das holde, liebe Kind.

Ob zwischen uns sich Wald und Strom

Und Thal und Hügel ziehn:

Ich denke doch bei Tag und Nacht

An meine süße Jean.

Ich sehe sie im Blumenthau,

Seh' sie so sanft und schön;

Ich höre sie im Vogelsang

Auf sonnumglänzten Höhn;

Die Blumen, die am Bach, im Hain

Und auf der Wiese blühn,

Ja, jeglich singend Vögelein

Erinnert mich an Jean.

O Abendwind, deß milder Hauch,

Im reichen Blumenbeet,

Mit frischer Blüthen Nektarduft

Beladene Bien' umweht:

O bringe mir die Maid zurück,

Der Mund und Wange glühn!

Denn jede trübe Wolke scheucht

Ein Lächeln meiner Jean!

Wir jauchzten oft und weinten auch,

Ich und mein süßes Lieb;

Ach! bitter wäre Scheidens Weh,

Wenn nicht die Hoffnung blieb. --

Du weißt es, du, vor dessen Blick

Der Erde Nebel fliehn,

Daß mir nichts theurer auf der Welt,

Als meine holde Jean.