Grünt der Wald
K. Gleitz
»Grünt der Wald und blüht die Wiese,
Gehn die Mädchen in den Hagen,
Knüpfen Halme, zupfen Blätter,
Holde Antwort zu erfragen;
Holde Antwort über Einen,
Den sie meinen in Gedanken:
Wilde Rose, die ich suche,
Birgt sich unter Dorn und Ranken.
Blätter fünf der wilden Rose,
Die wie Herzen sind zu schauen,
Was ich meine tief im Herzen,
Will ich heimlich euch vertrauen.
Schreiben will ich auf das erste
Stiller Liebe Runenzeichen;
Auf das erste und das zweite,
Denn das erste wird nicht reichen.
Bittre Klage auf das dritte,
Auf das vierte bittre Klage;
Ach, nicht hundert Blätter faßten
All den Kummer, den ich trage!
Auf das fünfte, o wie gerne,
Möcht' ich meine Hoffnung schreiben!
Da ich keine Hoffnung habe,
Muß es unbeschrieben bleiben.
Mag der Wind die Runen lesen
Und verrauschen! – Keine Boten
Gehn von diesem Strand zu jenem
In das stille Reich der Toten!«