Lied fahrender Schüler
K. Grammann
Pfarrherr, du kühler, öffne dein Thor,
fahrende Schüler stehen davor.
Fahrende Schüler, unstete Kind,
Singer und Spieler, wirbliger Wind.
Eisern die Kehlen, Mägen von Erz,
goldklare Seelen... doch Keiner begehrt's.
Kleidung ist dünne, Spreitung ist roh,
ach und die Minne?... im Heu und auf Stroh.
Pfarrrherrr, du kühler, öffne dein Thor,
fahrende Schüler stehen davor.
Franken und Schwaben kennen uns gut,
lüftige Knaben, fräßige Brut.
Müssen uns nähren, Gotteserbarm,
gleich dem verheerenden Heuschreckenschwarm.
Was wir durchstrichen, Bergflur und Thal,
alles verblichen, abgegrast kahl!
Pfarrrrherrrr, du kühler, öffne dein Thor,
fahrende Schüler stehen davor.
Sparst du den Habersack, knaus'riger Kropf,
packen zum Schabernack wir dich am Kopf,
ziehen die Hosen, den Kuttrock dir aus,
hängen die losen vor's Fenster als Strauß.
Wer um den süßen Labtrunk uns klemmt,
der muß uns büßen in Strümpfen und Hemd.
Pfarrherr, du kühler, öffne den Turm,
fahrende Schüler rüsten zum Sturm!
Ho, ho, heiadihoh!
Avoy, avoy, alez avanz!
Alsûs alsô, alsûs alsô!
Ho, ho, heiadihoh, hoh, ho, ho!