Weinlied eines Betrogenen

K. Grammann

Herr Wirth, für mich 'ne Kanne Wein

Vom ungefälschten, ächten!

Ich suchte einen Edelstein

Und fand doch nicht den rechten.

Ich hielt ein Stück geschliffnes Glas

Für Diamantenglänzen.

Herr Wirth, Herr Wirth, den besten Wein

Müßt heut' ihr mir kredenzen!

Herr Wirth, Herr Wirth, 'ne Kanne Wein!

Ich schlürf' in vollen Zügen.

'S ist besser doch betrogen sein,

Als selber zu betrügen!

Ich zog einmal ein schlechtes Loos,

Doch drückt's mich drum nicht nieder.

Ich schlag' die Schmerzen in den Wind

Und pfeife lust'ge Lieder.

Herr Wirth, Herr Wirth, 'ne Kanne Wein!

Lebwohl, du Ungetreue!

Das soll dir keine Freude sein,

Daß ich mich nicht mehr freue.

Geh' ruhig deine Pfade fort;

Ich ziehe still die meinen.

Mir bleibt der Wein, der gold'ne Wein,

Und dir zuletzt -- das Weinen!