Erwachen

K. Hasse

Stille Zeit kam träg geschlichen,

Alle Stürme schwiegen tief,

Alles Leid war ganz verblichen

Und die Seele schlief.

Aber heut bin ich erwacht

Tief in Finsternissen,

Ringsum dunkelte die Nacht.

Jäh emporgerissen

Aus der langen, lahmen Rast

Schlug mein Herz in banger Hast,

Hell aus langgeheilten Wunden

Brannten der Vergangenheit

Leidenschaften neu entbunden.

Seele bist du nun erwacht?

Ist zu Ende Schlaf und Ruh?

Schau, sie steht zu neuem Leid,

Neuen Stürmen froh entschlossen

Und sie zittert, und sie lacht

Allen Himmelssternen zu,

Ihren seligen Genossen.