Auf einer Nachtwanderung

K. Hessenberg

Herwandernd aus den Bergen durch die Nacht

Hat mich der Weg durch fahle Wiesensäume

Und weiche Schatten unsichtbarer Bäume

Ans offene Tor der alten Stadt gebracht.

Durch eine lange Straße schritt ich sacht,

Und nirgends schien aus all den schwarzen Scheiben

Ein einzig Kerzenlicht und lud zum Bleiben,

Und alles schlief, und überall war Nacht.

Erst, da ich wieder weit im Felde ging

Und rückwärts auf die wunderlich gebaute,

Schlafwirre Flucht der dunkeln Giebel schaute,

Sah ich ein Licht, das hoch im Turme hing.

Und oben am Gesims war Einer wach;

Der trug am Strick die schaukelnde Laterne

Und bog sich vor und schaute in die Ferne

Und meinen kaum gehörten Schritten nach.