Almansor: Zuleima, dich umschwärmt solch' Nachtgevögel?
K. Reinecke
Die buntgeputzten Fledermäus und Eulen
Sind nun vorbeigeflirrt. Recht widerlich
Drang mir ins Ohr ihr heiser-harsches Schrillen,
Und atmen konnt ich kaum in ihrer Näh.
Zuleima, dich umschwärmt solch Nachtgevögel?
Dich, weiße Taub, umkreisen solche Raben?
Dich, schöne Ros, umkriechet solch Gewürm?
Hält denn ein Zauber dich umstrickt, Zuleima?
SYSTEMIst denn das Bild des flehenden Almansors
In deiner Seele ganz und gar erloschen?
Kommt nie Erinnrung an Almansors Liebe
Aus deinem Busen seufzend aufgestiegen?
Dort oben wallen tausend Liebesboten,
Und jedem gab ich tausend Liebesgrüße,
Und schmerzlich süß entfloß mein glühend Blut,
Bei jedem Gruß, aus tausend Liebeswunden;
Und dennoch brachte keiner dieser Boten
Der Heißgeliebten meine heißen Grüße!
Schämt euch, untreue Boten, Sterne oben,
Die ihr so klug und pfiffig niederblinzelt,
Und euch als Menschenschicksallenker brüstet!
Ihr konntet nicht bestellen meine Grüße –
Und blöde Tauben tragen, treu und sicher,
Den Liebesbrief des Hirten in der Wüste! –
Das Schloßgesinde ist zu Bett gegangen,
Bedächtig sind die Lichter ausgelöscht,
Und nur ein einz'ges noch strahlt dort durchs Fenster.
Ich kenn dies Fenster noch; dort schläft Zuleima.
Dort stand ich manche schöne Sommernacht,
Und ließ die Laute klingen, bis die Liebste,
Mit süßem Wort, auf dem Balkon erschien.
Er zieht eine Laute hervor.
Hier ist die alte Laute. Klingend schwebt mir
Im Kopf das alte Lied; und sehen möcht ich,
Ob auch der alte Zauberklang noch wirkt.