Der treue Geselle
K. Reinecke
Acht Knöpfe trug ich am Reisegewand,
Von achten fehlen mir sieben.
Von all den Freunden, die ich gekannt,
Ist einer mir treu geblieben.
Es haben die Liebe mir aufgesagt
Die Lotte, die Lene, die Liese,
Und wär' ich eine verständige Magd,
Ich hätt' es gemacht wie diese.
Doch nenn' ich einen Gesellen mein,
Einen bessern kann's nicht geben,
Und fasst mich beim Genick Freund Hein,
Er wird's nicht überleben.
Er macht mich wenn ich hungre, satt
Und stärkt mich aus der Flasche,
Und was der Brave im Beutel hat,
Das hab' ich in der Tasche.
Erfasst mich einmal Weh und Leid
Und werden mir feucht die Wimpern,
So ist der Bursch alsbald bereit
Den Schmerz hinweg zu klimpern.
Und schüttelt mich der Winter kalt
Und lähmt mir meine Glieder,
So singt er mir vom grünen Wald
Lenzwarme Freudenlieder.
Er läuft mit mir durch Staub und Gras
Auf allen meinen Wegen,
Und schau' ich in ein Spiegelglas,
So schaut er mir entgegen.