Die Lichter brannten

K. Reinecke

Die Lichter brannten. Es bluten die schlanken,

Die prächtigen Blumen von Dir gesandt,

Und mächtig erwuchsen die zarten Ranken

Zu Bäumen, im Schatten an der Wand.

Wie unter stolzen geheiligten Palmen,

Die Hände gefaltet, das Auge zu,

Saß ich und sann auf rauschende Psalmen,

Zu Deinem Ruhm, Kind Gottes, Du!

Die Düfte der Blumen dürft ich borgen,

Den Frieden der Nacht für dieß Gebet,

Um ihre wonnig klingenden Sorgen

Hab ich die Nachtigall gefleht.

So saß ich, bis der Morgen graute.

Bis mich der Schlummer süß beschlich --

Mein rauschender Psalm -- die sieben Laute:

Vom Herzen, mit Schmerzen lieb ich Dich!