Die Lüfte regen die Flügel

K. Reinecke

Die Lüfte regen die Flügel

Und schwingen sich über die Höhn,

Und wecken in Höhl' und Hügel

Silbernes Harfengetön.

Dem Sternenglanz entringet

Sich Liebe üsternd bang,

Und leis entgegen klinget

Der Lilie Nachtgesang!

Der Schwan zieht durch die Wogen

Schön wie die Frühlingsnacht,

Die Rosen am Uferbogen

Erröten in keuscher Pracht.

Mein Geist zieht gleiche Kreise,

Wie Strene, Luft und Schwan,

Ihn lockt in Zauberweise

Dein liebes Bildniß an:

Die tiefsten Gefühle bringen

In Deine Träume vertraut,

Und unsre Seelen klingen

Süßen, verwandten Laut.

Es brechen der Erde Schranken,

Und Deine Schönheit erhellt

Mir ewiger Liebesgedanken

Krystallne Märchenwelt!