Grabgesang

K. Reinecke

Senket in die Erde,

die des Todes Hand geraubt,

Jungfrau'n mild und blühend

mit dem Lockenhaupt.

Senkt den stolzen Jüngling nieder

in der Jugend Wohlgestalt,

und den Greis, den lebensmüden,

dem der Schnee vom Scheitel wallt.

Wie die Rosen sinken

von dem grünen Lenzesstrauch,

sinkt vom Lebensbaume

still die Jungfrau auch.

Doch im neuen Lenze wieder

wird der Strauch in Blüten steh'n;

was gelebt im Strahl der Sonnen,

kann im Tod nicht untergeh'n.

Durch die kalte Pforte,

die des Todes Hand geweiht,

führt der Pfad ins Jenseit,

in das Jenseit zur Unsterblichkeit.

Streuet Rosen und Zypressen

schweren Herzens auf die Gruft;

droben rauschen Friedenspalmen

in der ew'gen Frühlingsluft!