Liebesbitte
K. Reinecke
Weh, ich hab gedacht
all diese Nacht
an meines Herzens Schwere,
die ein Weib mir gebracht;
vor ihrer Macht
steh' ich ohne Waff' ud Wehre.
Wollt' sie mir Gnade sagen?
Ein Küsselein
von dem Mündchen fein,
das nähm' ich ohne Klagen.
Du, o süße Blum',
wär' das dein Ruhm,
dass du mich willst verderben?
Wer wohl früh umd spät
um Huld dich fleht,
den lasse Gnad' erwerben.
Ich rat's mit treuem Munde,
dass ein Liebespfand
in seine Hand
du gäbst aus Herzensgrunde.
Was ich jemals sang,
umsonst ich rang
nach deiner hohen Minne,
d'rum leid' ich Not,
und bitt'rer Tod
ist all's, was ich gewinne.
Ich hör' nicht auf zu bitten,
doch ach, zu spät,
da's einmal geht
mir recht ins Herze mitten.