Spinnlied

K. Reinecke

Spinn', Mägdlein, spinn!

So wachsen dir die Sinn'!

Wachsen dir die gelben Haar',

Kommen dir die klugen Jahr',

Spinn, Mägdlein, spinn!

Ehr', Mägdlein, ehr'

Die alte Spinnkunst sehr!

Adam hackt und Eva spann,

Zeigen uns die Tugendbahn!

Lieb', Mägdlein, lieb'

Der Hanna ihren Trieb,

Wie sie mit der Spindel kann

Nähren ihren blinden Mann.

Preis', Mägdlein, preis'

Der Mutter Gottes Fleiß.

Diese heil'ge Himmelskron'

Spann ein Röcklein ihrem Sohn.

Sing', Mägdlein, sing'

Und sei fein guter Ding';

Fang dein Spinnen lustig an,

Mach' ein frommes End' daran.

Lern', Mägdlein, lern',

So hast du Glück und Stern,

Lerne bei dem Spinnen fort

Gottesfurcht und Gotteswort.

Glaub', Mägdlein, glaub',

Dein Leben ist nur Staub.

Daß du kömmst so schnell ins Grab,

Als dir bricht der Faden ab.

Lob', Mägdlein, lob',

Dem Schöpfer halte Prob',

Daß dir Glaub' und Hoffnung wachs',

Wie dein Garn und wie dein Flachs.

Dank', Mägdlein, dank'

Dem Herrn, daß du nicht krank,

Daß du kannst fein oft und viel

Treiben dieses Rockenspiel.

Dank', Mägdlein, dank'!