Tritt herein

K. Reinecke

Tritt herein zu der Thüre

Und erleuchte das Zimmer ganz!

Grüße rings und entführe

Alle Herzen in Himmelsglanz!

Vor dir gehet ein Schweigen,

Um dich anzumelden im Saal,

Und das Feld ist dein eigen,

Eh' du noch ausgetreten einmal.

Sehet o Schönheitskenner,

Ob ihr Schönheit schon habt gekannt.

Seht, o geistige Manner,

Was die Geister wohl übermannt.

Lösche du des Verstandes

Flackernde Lampe mit deinem Schein,

Und belebendes Brandes

Laß hier Schönheit die Sonne sein.

Sieh, es drehen planetisch,

Alle Strahlen sich um dein Licht,

Und du ziehest magnetisch

Alle Blick' an dein Angesicht.

Wo die Ros' ist erschienen,

Neigt sich ein ganzes Blumengefild.

Blick' mit Huld auf Jasminen,

Sprich mit schüchternen Veilchen mild!

Öffne Lippen zum Reden

Und verströme des Geistes Duft.

Kommet, Lüfte von Eden,

Und durchwürzt euch in dieser Luft!

Deine lächelnden Mienen

Sind ein würziger Blumenflor;

Honigsaugende Bienen

Deiner Lippen sind Aug' und Ohr,

Sieh du bist nun die Kerze

Dieser Gesellschast, hebe das Haupt,

Und dem Schmetterling Scherze

Sei um das Licht sein Kreisen erlaubt.

Wie du sicher und leise

Blickest, zügelt Ordnung den Tanz,

Und sich halten im Gleise

Herzen, welche verwirrt dein Glanz.