Ach warum weiter, du eilende Welle

K. Reissiger

Ach, warum weiter, du eilende Welle,

Führst Du den sehnenden Menschen durch's Leben?

Nimmer verweilend auf blumiger Stelle,

Kann er der Freude sich nimmer ergeben!

Weit schon hinter seinen Tritten

Liegt die schöne goldne Zeit!

Fern ist seine Seligkeit!

Welt und ihrer Lust geweiht,

Hat er tiefen Gram erlitten.

Und aus seinem Blick entschwunden

Ist der Zukunft goldner Schein.

Nur Erinn'rung noch allein

Mag zum Kranz ihm Blumen reihn,

In der heil'gen Weihe Stunden.

Fliehe, du eilende Welle, denn nimmer!

Mag dich beschwören der Sterblichen Keiner.

Doch in des Liedes unsterblichem Schimmer

Wandelst du sanfter, und glänzest du reiner.

Sturmwind saus't mit kaltem Flügel

Über deinem dunkeln Gang.

Sieh, du eilst die Wüst' entlang!

Weit zurück ist Festesklang,

Blumen welken dort am Hügel.

Aber freundliche Gestalten

Treten aus der dunkeln Nacht.

Wunderbarer Schimmer lacht,

Ausgeströmt von höh'rer Macht,

Wo die milden Engel walten.

Du auf des Lebens verrinnender Welle,

Singe den Schützenden freundliche Lieder,

Und es entblühen in zaubrischer Helle

Blumen der lächelnden Kindheit dir wieder.