An die Wolken

K. Reissiger

Wie die leichten Wolken ziehen

rastlos ohne Aufenthalt,

immer weiter, weiter fliehen

über Berg und Tal und Wald,

also zieht ein endlos Sehnen

mich zu schönen Auen hin,

und ich weine heiße Tränen,

dass dem Ziel so fern ich bin.

Denn gebannet wie die Pflanze

auf dem Boden, der sie trägt,

strahlend bald im Sonnenglanze,

bald von Sturmeswut bewegt,

so gekettet ist mein Leben

an die Flur, die es erzeugt,

bald von Wonn' und Lust umgeben,

bald von Schmerz und Gram gebeugt.

Möchte mit den Wolken ziehen,

ach, und bin gefesselt hier!

Möchte meinem Gram entfliehen,

doch mein Gram ist stets mit mir!

Soll ich Trennungsschmerz bezwingen,

Körper hier und Seele dort,

o so nehmt auf euren Schwingen,

Wolken, die Erinn'rung fort!

Tragt sie hin zu fernen Landen,

hin zu meinem höchsten Glück,

sagt, dass ich in engen Banden

ihr gefolgt mit nassem Blick!

Sprecht von meinem treuen Herzen,

von vergang'ner Seligkeit,

von der Sehnsucht tiefen Schmerzen,

denen ganz mein Sein geweiht.

Flüstert von des Abschieds Stunden,

fragt, ob Wiederseh'n noch fern!

Denn das Herz kann nicht gesunden,

strahlt nicht bald ihm dieser Stern.

Darum, liebe Wolken, fliehet

über Berg und Tal und Wald;

immer weiter, weiter ziehet

ohne Rast und Aufenthalt!