Das Abendglöcklein
K. Reissiger
Das Abendglöcklein tönt von ferne
so freundlich hell durch Flur und Hain.
Wie hört' ich deinen Ruf so gerne,
er lud mich sonst zum Liebchen ein.
Bei seinem feierlichen Klingen
sank sie zuerst mir an das Herz,
und oft trug es auf seinen Schwingen
die treu'sten Schwüre himmelwärts.
Doch jetzt scheint grausam mioch zu höhnen,
was sonst zur Freude mich bewegt;
bei deinen feierlichen Tönen
ward sie ins stille Grab gelegt.
Wie oft such' ich die liebe Quelle,
doch finde ich das Plätzchen leer,
und tönt das Glöcklein noch so helle,
mein Liebchen bringt es mir nicht mehr.
Erklingt es jetzt im stillen Tale,
so rinnet meiner Tränen Lauf.
Wann klingst du mir zum letzten Male,
wann rufst du mich zu ihr hinauf?