Der Abend

K. Reissiger

Der Abend senkt sich leise, der Himmel ist so blau;

Nun schlummern alle Blumen und Vögel auf der Au.

Sie nicken und sie träumen; o stör' nicht ihre Lust.

Steht eine Welt gegründet doch in der kleinsten Brust.

Im Traume schwingt die Leiche sich in die klare Luft.

Was jede Blum' empfindet, das haucht sie aus im Duft.

Das Weltall, groß und herrlich, mit seinen Welten klein,

Und aller Himmel Himmel nimmt ja mein Busen ein,

Ich fühle naß mein Auge und schwindle doch vor Lust,

Könnt jedes Wesen pressen vor Freuden an die Brust.

Sieh, alla Stern' erflimmern; es schmilzt des Abends Pracht:

- Laß kommen nur die Stürme und kleiden schwarz die Nacht.

Schlaft süß und träumt, ihr Vöglein, ihr Blumen auf der Au!

Im Busen ist es ruhig, da ist der Himmel blau.