Der Liebe Leid

K. Reissiger

Willst du mir treulos schon wieder entschweben,

rosiges Bild, das den Himmel versprach?

sehnsuchtsvoll streut nun mein trauerndes Leben

all' seine Freuden und Blumen dir nach.

Durfte so kurz nur dein Morgen mir scheinen?

Doch ich bereu' nicht die flüchtige Lust,

ist's doch auch schön, um das Schöne zu weinen,

auch die Erinn'rung erhebet die Brust!

Ach, wie der Liebe Gestirn sich in Klagen,

wie sich's in Wehmut nur schöner verklärt!

Kannst du nicht gern ihre Schmerzen ertragen,

warst du nie ihrer Beseligung wert!

Dass ich doch treu deinem Schmerze verbliebe,

da mir dein lächelndes Traumbild zerrinnt,

weil ja so wonnig die Leiden der Liebe,

göttlich die Wonnen des Liebenden sind!