Der Trompeter
K. Reissiger
Wenn dieser Siegesmarsch in das Ohr mir schallt,
Kaum halt ich da die Thränen mir zurück mit Gewalt.
Mein Kamerad der hat ihn geblasen in der Schlacht,
Auch schönen Mädchen oft als ein Ständchen gebracht;
Auch zuletzt, auch zuletzt, in der grimmigsten Noth,
Erscholl er ihm vom Munde bei seinem jähen Tod.
Das war ein Mann von Stahl, ein Mann von echter Art
Gedenk ich seiner, rinnt mir die Thrän in den Bart.
Herr Wirth, noch einen Krug von dem feurigsten Wein,
Soll meinem Freund zur Ehr, ja zur Ehr getrunken sein.
Wir hatten musiciert in der Frühlingsnacht
Und kamen zu der Elbe, wie das Eis schon erkracht;
Doch schritten wir mit Lachen darüber, unverwandt,
Ich trug das Horn und er die Trompet in der Hand.
Da erknarrte das Eis, und es bog, und es brach;
Ihn riß der Strom von dannen, wie der Wind so jach!
Ich konnt ihn nimmer mehr erreichen mit der Hand,
Ich mußte selbst mich retten mit dem Sprung aus den Sand.
Er aber trieb hinab, auf die Scholle gestellt,
Und rief: Nun geht die Reif in die weite, weite Welt!
Draus setzt er die Trompet an den Mund und schwang
Den Schall, daß rings der Himmel und die Erde erklang!
Er schmetterte gewaltig mit vollem Mannesmuth,
Als gält es eine Jagd mit dem Eis in der Flut.
Er trompetete klar, er trompetete rein,
Als gings mit Vater Blücher nach Paris hinein!
Da donnerte das Eis, die Scholle, sie zerbrach,
Und wurde eine bange, bange Stille danach!
Das Eis verging im Strom und der Strom im Meer.
Wer bringt mir meinen Kriegskameraden wieder her?!