Die letzte Rose
K. Reissiger
Des Sommers letzte Rose,
sie blieb verlassen steh'n
und schaute der Gefährten
Verblühen und Vergeh'n.
Ach, keine Schwesterblume
der Armen nahe blüht,
ihr Hauch um Hauch zu spenden,
von Liebe warm durchglüht.
O nein, ich lass' dich nimmer
hier seufzen so allein;
geh, schlumm're mit den Holden
im liebenden Verein.
Auf mütterlichen Boden
will ich die Blätter streu'n,
wo bleich und duftlos ruhen
die zarten Schwestern dein.
So mög' auch ich einst scheiden,
erbleicht der Freundschaft Licht,
und wenn im Kranz der Liebe
der Tod die Blüten bricht.
Wenn treue Herzen welken
und liebende vergeh'n,
wer möchte dann vereinsamt
auf öder Erde steh'n?