Die Rose

K. Reissiger

Ich sah eine zarte Rose blüh'n,

von Frühlingslicht umflossen;

ich sah sie duftend sanft erglüh'n,

vom Himmelstau begossen.

Ich schaute hin, ich schaute her

und konnt' nichts And'res blicken;

da ward das Herz mir bang u d schwer

vom heimlichen Entzücken.

Und ach! die Rose winkte mir,

ich nahte mich ganz leise

und neigte zitternd mich zu ihr,

da sprach sie diese Weise:

Gefährlich ist's, der Rose nah'n,

bezaubernd ihre Nähe,

denn vielen, die sie blühen sah'n,

tat's schon im Herzen wehe!

Ich aber sprach: Lass, Rose, mich,

ich will und muss dich sehen;

ich schaue blüh'n und glühen dich,

und sollt' ich auch vergehen.

So schau' ich denn die Rose an,

beglückt durch ihre Nähe,

doch wag' ich's nimmer, mich zu nah'n,

sonst tut das Herz mir wehe.