Erdenschlummer
K. Reissiger
Es flirrt und rauscht im hellen Sternenglanz,
vom Nachthauch kühl umweht,
auf meinem Grab der frische Totenkranz,
der einsam trauernd steht.
Was klagt der Wehmut stille Träne?
Was klagen ihre dumpfen Töne?
Mir ist nun wohl!
Es streift der Tod das drückende Gewand
dem Erdenpilger ab,
zum Frieden führt ihn des Erbarmers Hand
zum kühlen, dunklen Grab.
Erlösung schwingt ihr Strahlgefieder,
es flüstert Geisterodem nieder:
Ist dir nun wohl?
Ja, mir ist wohl in diesem engen Raume,
der meinen Staub verwahrt.
Mir hat ein Traum, ein freundlich schöner Traum
die Wonne offenbart,
dass, der den kurzen Schlummer sendet,
zur höher'n Wonne mich vollendet.
O mir ist wohl!
Still welkt der Kranz auf meinem Hügel hin.
So stille welken einst
die Herzen all, die warm mir schlugen, hin,
wenn du, o Tod, erscheinst.
Und ruh'n auch sie am Palmenziele,
dann ist in stiller Grabeskühle
uns allen wohl!