Farewell

K. Reissiger

Leb' wohl, leb' wohl, mein Mutterland,

schweb' über Wässern blau,

der Nachtwind pfeift gejagt zum Strand

und schreckt die Möwe grau.

Der Sonne, die dort winkend mir

ins Meer versinkt voll Pracht:

Ihr dies mein Lebewohl, wie dir,

mein Heimatland, gut' Nacht.

Heul' auf der Sturm, braus' auf das Meer,

nicht scheu' ich Wog' und Wind.

O staunet, Freunde, nicht so sehr,

wenn ihr mich traurig find't.

Fort muss ich von dem Vater mein,

vom Mutterherzen fort;

hab' niemand sonst als sie allein

und euch und Gott zum Hort.

Ich bin jetzt in der Welt allein

auf weiter, weiter See!

Soll And'rer Schmerz der meine sein,

da keinen rührt mein Weh'?

niocht klag' ich ob vergang'nem Schmerz,

nicht, dass Gefahr sich naht,

mein größtes Leid ist, dass mein Herz

nichts zu beweinen hat.

Mit dir, mein Schifflein, schnell bewegt,

durch Wogenschwall zum Strand!

Gleichviel, wohin dein Lauf mich trägt,

nur nicht zum Mutterland.

Gegrüßt mir, dunkle Welle, sei,

und ist die Fahrt vollbracht,

gegrüßt dann, Höhl' und Wüstenei -

mein Heimatland, gut' Nacht.