Freud und Leid
K. Reissiger
Es liegt im Herzen gebettet so warm
die Freud' und das Leid einander im Arm.
Das Eine schläft immer, wenn's And're wacht,
das Eine wünscht Tag sich, das And're Nacht.
Viel hab' ich beide im Herzen gepflegt;
die Freud', sie schläft immer, kein Ruf sie bewegt.
Erbleicht sind der Wangen liebliches Rot,
lang' liegt sie schon still, ich glaub', sie ist tot.
Das Leid hab' ich lange im Busen gewiegt,
doch sind seine Tränen nimmer versiegt.
Nun hab' ich's endlich zum Schlummer gebracht;
schlag' leise, mein Herz, dass Leid nicht erwacht!