Frühlingsabend

K. Reissiger

Tiefe Stille, Alles schweiget

Vor der Sonne Gluthenpracht,

Die erquickt herniedersteiget

In der Wogen dunkle Nacht.

Roth in abendlichem Glanze

Glüht des Laubes zartes Grün

Und im leisen Wellentanze

Spiegelt sich der Wolken Ziehn.

Im erschlossnen Meer der Düfte

Schwimmt der Schöpfung Luftkrystall;

Keine Trauer, keine Grüfte

In dem bräutlich jungen All.

Es versiegt der Thränen Quelle,

Alle Sehnsucht ist gestillt,

Aus des Lenzes Blüthenwelle

Steigt des Friedes holdes Bild.