Gute Nacht

K. Reissiger

Sacht und schweigend, wie Gespenster

steht ich mich zu Klärchens Fenster

bin so blöde, schleich auf Zehen,

bebe wenn die Blüthen wehen.

Ring's ist stille stumme Nacht

nur die treue Liebe wacht

wacht und naht auf scheuen Füssen

schönes Klärchen Dich zu grüssen,

wache auf!

Mädchen mit den holden Grübchen,

schau heraus aus deinem Stübchen,

dein Getreuer kommt gegnugen

einen Blick noch zu empfangen.

Ring's ist Stille, fürchte nichts,

Alles schweigt, nur Liebe spricht:

Wären's hundert lange Meilen,

trieb's mich heut zu Dir zu eilen,

schau heraus!

Ja! ich hör'den Vorhang rauschen,

Klärchen neigt sich mir zu lauschen,

Zitherkling die schönsten Weisen

Klärchens Engelreiz zu preisen.

Horch! wie Tritte? ha, es naht!

Stimmer hör'ich weh, Verrath!

Klärchen, Klärchen fort vom Gitter,

leise, leise flüstre Zither,

gute Nacht!