Hornesruf

K. Reissiger

"Komm mit!

Beflügle deinen Schritt."

So klang es von der grünen Au',

Als schauend zu des Himmels Blau

Ich durch des Waldes Hallen

Ein Posthorn hörte schallen.

O wie sich da mein Sinn bewegt,

Die alte Lust zur Welt sich regt,

Ein fieberisches Sehnen

Fühlt' ich bei Hornestönen.

"Komm mit!

Ich lehr dich fremde Sitt'!"

So klang es hell, so klang es süss,

Wie Stimmen aus dem Paradies.

"Ich führe dich zur Ferne,

Zu neuer Sehnsucht Sterne.

O sieh', wie lacht die Bläue schön,

Folg meinem lockenden Getön,

Hinab zum Land der Blüthen,

Wo Dichters Träume glühten."

"Komm mit!

Auf, folg in Sturmesschritt!"

Dem hold verlockenden Getön

Konnt' ich nicht länger widerstehn.

Gedanken schon entgleiten

Blitzschnell zu fernsten Weiten.

Doch, horch da bannt mich zaubervoll

Ein Ton der süssem Mund entquoll:

Ich bleib' im Vaterlande,

In süssen Liebesbande.